Finanzielle Unterstützung für Studierende während der Schwangerschaft

Studierende können während der Schwangerschaft finanzielle Unterstützung erhalten.

Besondere Regelungen und Leistungen sehen u.a. das BAföG und das Sozialgesetzbuch II (SGB II) vor.

In allen Fragen der finanziellen Unterstützung für Studierende während der Schwangerschaft steht Ihnen die Sozialberatung des Studentenwerkes gern zur Seite.


Für Studierende während der Schwangerschaft gelten besondere gesetzliche Regelungen.

Folgende Dinge sind zu beachten: 

Eine direkte Förderung für Schwangere gibt es im BAföG nicht. Ein Mehrbedarf wegen Schwangerschaft bzw. wegen der Pflege und Erziehung eines Kindes kann derzeit nicht geltend gemacht werden.

BAföG-geförderte Studierende mit Kind(ern) erhalten seit 2008 einen Kinderbetreuungszuschlag. Der Kinderbetreuungszuschlag beträgt für das erste Kind 113 € monatlich, für das zweite und weitere Kinder jeweils zusätzlich 85 € monatlich. Dieser Zuschuss wird für die Zeit des Studiums pauschalisiert gewährt. Anträge erhalten Sie ab Januar in Ihrem Amt für Ausbildungsförderung.

Schwangere Studierende haben besondere Rechte:

Erhöhte Freibeträge für Studierende mit Kindern

Verfügt die/der Studierende über ein eigenes Einkommen, das auf das BAföG angerechnet wird, gibt es für Kinder (und Ehegatten) zusätzliche Freibeträge. Diese bleiben anrechnungsfrei, sodass sich hierdurch die BAföG-Leistungen erhöhen können.

Studierende mit Kindern können derzeit für ihre eigenen Einnahmen einen monatlichen Freibetrag von 435 € pro Kind für sich geltend machen sowie von 480 € für den Ehegatten.

BAföG ohne Ausbildungsteilnahme

 

Auch wenn die Studierende infolge der Schwangerschaft an der Ausbildung nicht teilnimmt, wird Ausbildungsförderung gezahlt – und zwar bis zu drei Monaten (§ 15 Abs. 2a BAföG). Dies gilt gleichermaßen bei Teil- und Vollförderung.

Dauert die Unterbrechung länger als drei Monate, muss die Studierende eine Beurlaubung beantragen. Sonst muss das BAföG zurückgezahlt werden, das über die dreimonatige Frist hinaus bezogen wurde. In der Zeit der Beurlaubung wird kein BAföG gezahlt, es kann aber ein Antrag auf ALG II gestellt werden.

Verlängerter BAföG-Bezug

 

Die Förderungshöchstdauer des BAföG wird wegen Schwangerschaft auf Antrag verlängert - und zwar bis zu einem Semester (§ 15 Abs. 3 Nr. 5 BAföG). Es wird davon ausgegangen, dass die Schwangerschaft Ursache für die Verzögerung des Studiums ist.

Zuschuss statt Darlehen: Anders als sonst im BAföG geregelt, wird die Ausbildungsförderung in diesem zusätzlichen Semester als Zuschuss gezahlt und braucht somit nicht zurückgezahlt werden.  

Der Antrag ist rechtzeitig beim BAföG-Amt zu stellen. Lassen Sie sich immer individuell beim BAföG-Amt beraten.

Eine Verlängerung der Förderungshöchstdauer ist auch für die Zeit der Kindererziehung möglich.

Besonderheit: Hilfe zum Studienabschluss

 

Eine schwangere Studierende kann Hilfe zum Studienabschluss in Anspruch nehmen. Sie erhält die Hilfe zum Studienabschluss auch dann, wenn Sie während der Zeit bis zur Förderungshöchstdauer kein BAföG erhalten hat, aber dem Grunde nach förderberechtigt war. Die Hilfe zum Studienabschluss wird für höchstens 12 Monate auch über das Ende der Förderungshöchstdauer bzw. der um ein Semester wegen Schwangerschaft verlängerten Förderungshöchstdauer hinaus gewährt. Voraussetzung ist, dass

 

  • die Studierende spätestens innerhalb von vier Semestern nach Ende der Förderungshöchstdauer zur Abschlussprüfung zugelassen ist,
  • das Prüfungsamt der Hochschule bescheinigt, dass die Studierende innerhalb der 12-monatigen Verlängerung ihr Studium abschließen kann.

 

Werdende Mütter, also auch schwangere Studentinnen, haben bei entsprechender Bedürftigkeit einen Anspruch auf Mehrbedarf, weil dieser Bedarf in keinem direkten Zusammenhang zum Studium steht (so genannter nicht ausbildungsgeprägter Bedarf). Der Mehrbedarfszuschlag dient als Finanzierungsmöglichkeit des infolge der Schwangerschaft anfallenden zusätzlichen Bedarfs, zum Beispiel für kleine Änderungen der Bekleidung und besondere Ernährung.

Nach der 12. Schwangerschaftswoche besteht Anspruch auf 17 % der maßgeblichen Regelleistung der Grundsicherung für Arbeitssuchende (nicht enthalten sind Kosten für Schwangerschaftsbekleidung, diese müssen gesondert übernommen werden). Für alleinerziehende Mütter oder Väter ist dieser Mehrbedarf höher (36% der Regelleistung), sofern ihre Kinder unter 7 Jahre bzw. bei 2-3 Kindern unter 16 Jahre sind.

Den Zuschlag beantragen Sie als „Mehrbedarf für Schwangere“. Sie müssen dazu einen "Antrag auf Gewährung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II)“ (kurz: ALG II-Antrag) ausfüllen und entsprechende Belege nachreichen. Dieser Mehrbedarf wird nachrangig und einkommensabhängig gewährt. Einen Antrag stellen Sie bei der ARGE. ARGE bedeutet Arbeitsgemeinschaft und vereint Sozialamt und Arbeitsagentur.

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen können sich bei einzelnen Anbietern unterscheiden. Daher sollten Sie sich bei Ihrer Krankenkasse ausführlich beraten lassen.

Grundsätzlich gelten folgende Serviceleistungen:

 

  • Vorsorgeuntersuchungen, notwendige Laboruntersuchungen und die Untersuchung zur Feststellung der Schwangerschaft werden bezahlt. Allerdings ist mit jedem Quartal die Praxisgebühr zu zahlen.
  • Hilfe bei der Entbindung ist in erster Linie Aufgabe der Hebamme. Deren Wahl steht Ihnen, wie auch die Wahl des Krankenhauses, frei. Hierbei ist zu beachten, dass die Krankenkassen für das nächstgelegene Krankenhaus alle anfallenden Kosten übernehmen, auch die Transportkosten. Sollten Sie ein anderes Krankenhaus wählen, vergleicht die Krankenkasse gewöhnlich die Kosten des nächstgelegenen Krankenhauses mit dem von Ihnen gewählten und zahlt nur die niedrigeren Kostensätze. Alle Kosten darüber hinaus müssen Sie gegebenenfalls selbst tragen. 

 

Das Mutterschutzgesetz gilt für alle Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen (auch geringfügige Beschäftigung!). Es erteilt für werdende Mütter in der Regel sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt ein Beschäftigungsverbot. Während dieser Schutzfrist wird auf Antrag Mutterschaftsgeld gezahlt, selbst wenn Sie auf 400 Euro-Basis tätig sind.

Geringfügig Beschäftigte, die selbst Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung sind (z.B. studentisch pflichtversichert) erhalten das Mutterschaftsgeld bis zu 13 Euro kalendertäglich von der Krankenkasse, wenn während der Schutzfristen kein Arbeitsentgelt gezahlt wird. Mutterschaftsgeld wird in Höhe des durchschnittlichen Nettoverdienstes der letzten drei abgerechneten Kalendermonate vor Beginn der Schutzfrist gezahlt.

Wenn Sie geringfügig beschäftigt und in der gesetzlichen Krankenversicherung noch familienversichert sind, dann ist das Bundesversicherungsamt für die Zahlung des Mutterschaftsgeldes von bis zu insgesamt 210 Euro (einmalig) zuständig.

Hinweis: Wenn Sie Mutterschaftsgeld erhalten, wird es für diesen Zeitraum auf das Elterngeld angerechnet.

Nach § 9 MuSchG steht die werdende Mutter unter Kündigungsschutz. Eine Kündigung durch den Arbeitgeber während der Schwangerschaft und bis zu vier Monate nach der Geburt ist unzulässig.

TIPP:  Weitere Informationen zu den Themen Mutterschutz und Mutterschaftsgeld enthält die Broschüre „Mutterschutzgesetz – Leitfaden zum Mutterschutz“. Sie erhalten diese kostenlos beim:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Postfach 201 551
53145 Bonn

Tel: 0 180 – 190 70 50
E-Mail:  broschuerenstelle@bmfsfj.bund.de
www.bmfsfj.de

Einmalige Bedarfe infolge nichtausbildungstypischen Erstausstattungsbedarfes können bei der ARGE beantragt werden. Voraussetzung ist, dass das Einkommen nur geringfügig über dem ALG II (Regelleistung plus Warmmiete) oder darunter liegt.

Mögliche Unterstützungsmöglichkeiten:

 

  • Babyerstausstattung: bereits vor der Geburt und nach der Geburt gegen Vorlage der Geburtsurkunde
  • Umstandskleidung
  • Beihilfe für Mobiliar (z.B. für eine Wickelkommode etc.) 

 

Zusätzlich dazu oder bei schriftlicher Ablehnung des Antrages durch die ARGE können über eine Schwangerschaftsberatungsstelle in der Regel ebenfalls finanzielle Hilfen (Stiftungsgelder) beantragt werden. Aus diesem Grund ist es ratsam, sich in jedem Fall an eine Schwangerschaftsberatung zu wenden.

Außerhalb des BAföG bzw. zusätzlich zum BAföG gibt es weitere Möglichkeiten, sein Studium ganz oder teilweise zu finanzieren. In vorübergehenden sozialen Notlagen können Studierende beim Studentenwerk Greifswald ein kurzfristiges Darlehen beantragen. Voraussetzung ist das Vorhandensein einer sozialen Notlage. Diese liegt dann vor, wenn die Sicherung des Lebensunterhaltes vorübergehend nicht gewährleistet ist.

Zu den kurzfristigen Darlehen des Studentenwerkes bzw. weiteren Angeboten, wie dem Bildungskredit oder dem KfW-Studienkredit, lassen Sie sich in der Sozialberatung des Studentenwerkes beraten.